Ssanghwa-cha: Der koreanische Schwarztee, den niemand kennt
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Ssanghwa-cha: Der dunkle koreanische Kräutertee, den niemand in Deutschland kennt
Dunkel wie Kaffee, aromatisch wie eine Dekoktion, tiefgründig wie der koreanische Winter: Ssanghwa-cha ist eines der komplexesten und identitätsstiftendsten Getränke der koreanischen Kultur.
In den Straßen Seouls servieren die 다방 (Dabang), kleine koreanische Teestuben, die es seit den 1960er Jahren gibt, im Winter immer noch Tassen eines dunklen, duftenden Getränks, oft mit einem rohen Eigelb und einigen Pinienkernen garniert: Das ist Ssanghwa-cha (쌍화차). Ein Getränk, das in der deutschen Kultur keine Entsprechung hat.
In Korea ist Ssanghwa-cha so alltäglich wie Kaffee in Deutschland und so geschichtsträchtig wie Jasmintee in China. Doch außerhalb der koreanischen Gemeinden in Berlin oder Frankfurt ist dieser Kräutertee der breiten deutschen Öffentlichkeit fast unbekannt. Genau deshalb verdient er es, erzählt zu werden.
1. Geschichte des Ssanghwa-cha
Der Name Ssanghwa-cha (쌍화차, 雙花茶) leitet sich von den chinesischen Schriftzeichen für „doppelte Blume“ ab. Es handelt sich um eine Dekoktion aus Wurzeln und Pflanzen, die aus der traditionellen koreanischen Pharmakopöe, der hanbang (한방), stammt. Seine Ursprünge reichen bis in die Goryeo-Zeit (918 bis 1392) zurück, als Rezepte für Wurzeldekokte bereits in den medizinischen Hoftexten kursierten.
Während der Joseon-Zeit wurde Ssanghwa-cha in koreanischen Haushalten zubereitet und getrunken, insbesondere in der kalten Jahreszeit. Jede Familie hatte ihr eigenes Rezept, das von Mutter zu Tochter weitergegeben wurde, mit regionalen Variationen je nach den verfügbaren Pflanzen. Die Hofärzte hielten die Formeln in medizinischen Enzyklopädien wie dem Dongui Bogam (동의보감) fest, dem großen koreanischen Medizintraktat, der 1613 zusammengestellt wurde und noch heute studiert wird.
Im 20. Jahrhundert wurde das Getränk mit dem Aufkommen der 다방 in den 1960er und 1970er Jahren populärer. Diese beliebten kleinen Teestuben, die in allen koreanischen Städten präsent waren, machten es zu einem Alltagsgetränk. Heute wird Ssanghwa-cha als konzentrierter Beutel, als Instantpulver und in handwerklicher Ausführung auf Bestellung in traditionellen koreanischen Restaurants verkauft.
2. Die Zutaten und ihr aromatisches Profil
Das Grundrezept für Ssanghwa-cha umfasst sieben bis neun Pflanzen und Wurzeln, die im Großen und Ganzen immer dieselben sind, mit Variationen je nach Haus. Hier sind die Hauptbestandteile und ihr aromatischer Beitrag.
3. Sensorisches Profil: Wie schmeckt es wirklich?
Wer noch nie Ssanghwa-cha getrunken hat, wird von der ersten Tasse überrascht sein. Die Farbe ist dunkel, fast schwarz, ähnlich wie Kaffee oder ein sehr konzentrierter Pu-Erh-Tee. Das Aroma ist komplex: Zuerst nimmt man Zimt wahr, dann erdige Noten und aromatische Kräuter, mit einer grundlegenden Süße, die an Lakritz erinnert.
Im Mund ist Ssanghwa-cha süßer, als es optisch den Anschein macht. Es gibt keine Kaffeebitterkeit, keine Adstringenz von Schwarztee. Die Textur ist leicht dickflüssig, bei hochwertigen Versionen seidig. Der Abgang ist lang, würzig, mit dieser einzigartigen Note von koreanischer Angelica, die in keinem anderen westlichen Kräutertee zu finden ist.
Um das Getränk in einen vertrauten Rahmen einzuordnen: Stellen Sie sich eine Mischung aus einem Chai-Gewürztee ohne Milch, einem Lakritz- und Zimtaufguss und etwas Einzigartig Koreanischem vor, das keiner dieser Vergleiche wirklich einfangen kann.
4. Die zwei koreanischen Formate
5. Wie man es zu Hause zubereitet
Konzentrierte Beutelversion (더작약쌍화)
Pulverversion (쌍화다방)
Einen gestrichenen Teelöffel (ca. 8 bis 10g) in 180 bis 200ml heißem Wasser bei 90°C auflösen. Rühren, bis es vollständig gelöst ist. Der Ssanghwa-cha in Pulverform ist in weniger als zwei Minuten zubereitet und bietet ein Erlebnis, das dem der koreanischen Teestuben der 1970er Jahre sehr nahekommt, mit diesem leicht nostalgischen Geschmack, der seinen Charme ausmacht.
6. Das Dabang: die koreanische Teestube des Ssanghwa-cha
Man kann nicht über Ssanghwa-cha sprechen, ohne das Dabang (다방) zu erwähnen, diese typisch koreanische Kaffeehaus-Teestube, die die Heißgetränkekultur in Südkorea von den 1950er bis 1990er Jahren dominierte. Bevor Starbucks 1999 in Seoul ankam, war das Dabang der Treffpunkt schlechthin für Künstler, Studenten und Geschäftsleute.
Dort wurde Ssanghwa-cha von Hostessen in Uniform in blauen Porzellantassen serviert, mit dieser Pinienkerngarnierung, die ikonisch wurde. Heute existieren noch einige alte Dabangs in Seoul in den Vierteln Jongno und Insadong, die zu Orten der Nostalgie und des Genusses geworden sind. Um mehr über die koreanische Teestubenkultur zu erfahren, bietet die Korea Tourism Organization Reiseführer zu den erhaltenen Adressen an.
7. Unsere Auswahl von Maison Boseong
Wir bieten zwei Ssanghwa-cha-Varianten an, die wir aufgrund ihrer Qualität und Authentizität ausgewählt haben: eine Premium-Version im Konzentratbeutel und eine klassische Pulverversion.
Um unser gesamtes Sortiment an traditionellen koreanischen Tees zu entdecken, besuchen Sie unsere Kollektion Koreanische Feinkost. Und wenn Sie nach dem Ssanghwa-cha Lust bekommen haben, weitere koreanische Tees zu erkunden, bietet unser Kräuterteeset Ilsangdawan sechs florale Tees für eine erste Erkundung.
Über den Autor:Nico Lesage ist der Gründer von Maison Boseong. Als Experte für koreanische Tees lebt er seit 2011 in Seoul. Jedes Jahr bereist er die Teegärten der Halbinsel, um außergewöhnliche Ernten direkt von den Erzeugern zu beziehen.